Die Geschichte der Klinik Bosse Wittenberg

Gründer der Klinik Bosse war der Chirurg, Geburtshelfer und Gynäkologe, Herr Dr. Paul Bosse, der ursprünglich als Chefarzt des damaligen Paul-Gerhardt-Stiftes tätig war. 1935 wurde sein Arbeitsvertrag dort beendet, weil seine aus einer angesehenen Wittenberger Familie stammende Frau Käthe Bosse  jüdische Vorfahren hatte. Obwohl Käthe Bosse ganz als evangelische Christin aufwuchs und sich auch als Christin verstand, war sie der nationalsozialistischen Willkür ausgesetzt.

So eröffnete Dr. Paul Bosse nach Um- und Ausbauten in seinem Wohnhaus in der Heubnerstraße, eine geburtshilfliche Klinik. Unterstützung fand er am Institut der Schönstätter Marienschwestern. Die Schwestern gehören zur internationalen Schönstattfamilie; gegründet von Pater Josef Kentenich am 18. Oktober 1914.

Herr Dr. Bosse verstarb im März 1947 und hatte im Dezember 1946 Herr Dr. Kurt Jonas, der zu dieser Zeit einzige niedergelassene Frauenarzt in Wittenberg, gebeten, die Leitung der Klinik zu übernehmen. 1949 übernahm der Caritasverband Magdeburg die Trägerschaft der Klinik, die weiterhin den Namen Klinik Bosse trägt. Herr Dr. Jonas war dann bis 1973 Chefarzt der Klinik.

Zur Unterstützung von Herrn Dr. Jonas kam 1970 Herr Dr. Erhard Sauer in die Klinik, welcher nach dem Ausscheiden von Herrn Dr. Jonas Chefarzt wurde und bis zur Umprofilierung der Klinik 1996 die Klinik leitete. Seine Ehefrau, Frau Angelika Sauer, übernahm als Kinderärztin die Kinderabteilung. Anfang der 70er Jahre wurde auch das erste Ultraschallgerät für die Klinik, eines der ersten Geräte überhaupt in der damaligen DDR, angeschafft. Jährlich kamen zwischen 1.500 und 1.900 Babys in der kleinen Klinik (65 Betten, davon 15 Kinderbetten) zur Welt.

Der Caritasverband Magdeburg hat sich in all den Jahren bemüht, die Einrichtung in katholischer Trägerschaft zu bewahren, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, in der Tradition christlicher Kultur zu leben.

Durch den Geburtenrückgang in der Region war eine Umprofilierung der Klinik Bosse unausweichlich. Am 1. November 1994 eröffnete unter der Leitung von Herrn Dr. med. Nikolaus Särchen die psychiatrische Abteilung/Tagesklinik am Standort Puschkinstraße mit 18 Betten und 20 Tagesklinikplätzen.

Am 30. Juni 1996 wurde die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in der Heubnerstraße geschlossen. Nach Umbauarbeiten an diesem Standort kam es am 19. August 1996 unter der Leitung von Herrn Dr. med. sc. Jörn Uwe Grünes zur Eröffnung der Neurologischen Abteilung mit 43 Betten und am 14. Oktober 1996 zur Eröffnung der Geriatrischen Abteilung mit zehn Tagesklinikplätzen.

Um eine zukunftsfähige Versorgung anzubieten - alle Abteilungen vereint unter einem Dach- begann 1997 der Klinikneubau in der Hans-Lufft-Straße. Der Klinikstandort konnte am 12. April 1999 bezogen werden. Im selben Jahr kam es feierlich zum Trägerwechsel der Klinik Bosse Wittenberg in ein Krankenhaus der Gesellschaften der Alexianerbrüder.

Im April 2002 konnte dann auch der zweite Bauabschnitt in der Hans-Lufft-Straße eingeweiht werden, so dass jetzt insgesamt 130 stationäre und 30 tagesklinische Plätze zur Verfügung stehen.

Seit Januar 2006 steht die neurologische Abteilung unter der Leitung von Herrn Dr. med. Philipp Feige. Diese wurde 2010 nach dem Kriterienkatalog der Deutschen Parkinson Vereinigung e.V. zertifiziert.